Transumanza

In Italien wird der Schafzug Transumanza genannt, wir kennen ihn unter dem Begriff Transhumanz.

 

Wenn wir in den Abruzzen von der Transumanza reden, ist i.d.R. die 2000 Jahre alte Kultur des ehemaligen Schaftriebs von Mittelitalien in den Süden des Landes und zurück gemeint.

 

In manchen Zeiten waren es über drei Millionen Schafe, die von ihren Hirten im Oktober auf regelrechten "Schafautobahnen", den sogenannten "Tratturi", von den Abruzzen nach Apulien und im Juni zurück in die Abruzzen getrieben wurden. Die Transhumanz des Viehs verlief auf streng vorbestimmten Wegen.

 

Es handelt sich dabei um historische Wege entlang derer schon zur vor-römischen Zeit und bis vor wenigen Jahrhunderten die Weidegebiete des Viehs saisonal gewechselt wurden.

 

Schon im 6. Jh. v. Chr. von den Samniten praktiziert, erreichte die Transhumanz ihren Höhenpunkt während der Römer, die die Tratturi vermehrten um eine bessere Verbindung zwischen den Ortschaften des Imperiums zu gewährleisten. Aus diesem Grund finden wir heute viele Tratturi neben den antiken römischen Steinstraßen. Im Gegensatz zu letzteren sind einige Schafwege, die auch als „Grüne Giganten“ bezeichnet werden, bis heute bestens erhalten: Verdienst der Aragonesen, die im 15. Jh. diese Tradition wieder aufnahmen und den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten forderten.

 

Die Tratturi bieten heute einzigartige Wanderstrecken die den Nationalpark des Gargano mit dem Nationalpark Abruzzo, Lazio und Molise verbindet.

Diese Strecken, auf denen mancher traditionsgebundener Hirte noch sein Vieh zum Weiden bringt, sind reich an Rythmen, Geräuschen und Traditionen aus einer anderen Zeit.

 

Momentan sind die wichtigsten Tratturi folgende:

  • Celano-Foggia, der den Nationalpark della Majella und die archäologische Gebiete Vastogirardi und Pietrabbondante durchquert
  • Castel di Sangro – Lucera, entlang dessen man das beeindruckende Schloss Di Sangro besichtigen kann;
  • Pescasseroli – Candela, das eine Strecke von 200 km deckt.

Die Wege führen durch eine zauberhafte Berglandschaft. Der Teil des letzteren, der im Molise verläuft, durchquert auch Castelpetroso, wo man auch das Sanktuarium Vergine Santissima Addolorata besichtigen kann. Nach Cantalupo im Samnium, das vom Gebirgsmassiv Matese beherrscht wird, Bojano und Guardaregia kommt man nach Sepino, ein Ort bekannt für sein archäologisches Gebiet reich an römischen Ruinen. Dieses Tratturo geht auch an Isernia vorbei, eine Stadt bekannt für ihr historisches Zentrum, und durchquert auch den Nationalpark Abruzzo, Lazio und Molise.

 

Noch heute arbeiten in den Bergen viele Hirten während des Sommers wie es die Tradition vorgibt, allerdings hat die Bedeutung dieser Art der Schäferei, diese Art der harten und entbehrungsreichen Arbeit auch in Italien stark abgenommen.

 

Heute gibt es etliche ökonomisch gut ausgebildete Unternehmer, die in den Abruzzen erfolgreich Schafe züchten und die Produkte wie Käse, Lammfleisch und Wolle vermarkten. Oft führen sie Biobetriebe mit angeschlossenem B&B und sind mit Restaurants oder Kooperativen im Tourismus vernetzt.

 

(Teilweise entlehnt einem Bericht der Agenzia Nazionale Turismo Italia)